1. der Dom und seine Umgebung
Argumente aus zehn Jahrhunderten von Brigitte Hammel und Matthias Möller Der Dom zu Worms ist, in der Reihe mit den Domen zu Speyer und zu Mainz, das Hauptwerk der romanischen Baukunst in Deutschland. Weil sein Hauptkörper konsequent in staufisch -romanischen Formen gestaltet ist, zählt er zu den stilreinsten der deutschen Dome. Neben der Stilreinheit und monumentalen Größe (Länge 110 m) war der Dom und seine Umgebung Schauplatz weltweit bedeutsamer geschichtlicher Ereignisse, darunter die Papstwahl (Leo IX.) im Jahr 1048, das Wormser Konkordat im Jahr 1122, mit dem der Investiturstreit beendet wurde und der Auftritt von Martin Luther vor Kaiser Kar! V beim Reichstag zu Worn1S (1521), der das Entstehen der evangelischen Weltkirche zur Folge hatte. Die weit über das Wormser Stadtgebiet hinausragende monumentale Architektur und die weltgeschichtliche Bedeutung des Domes und seiner Umgebung begründen die Aufnahme des Wormser Doms in die Liste des UNESCO - Weltkulturerbes. Dem könnte aber ein architektonisch misslungener Profanbau der Domgemeinden im Wege stehen, der den bislang freien Blick auf die Südfassade des Doms und insbesondere auf die dortige Nikolauskapelle versperrt. 1. Standort und architektonische Bauentwicklung Für den heutigen Dombau wie auch für die Vorgängerbauten des römischen Forums, einer in spätrömischer Zeit errichteten Basilika und der durch die Frankenkönigin Brunichildis errichtete Domkirche zur Verwahrung von Reliquien des Heiligen Petrus und Paulus wurde der höchste Platz von Worms gewählt, an dem keine Gefahren mehr durch Hochwasser des Rheins bestehen. Eine der ersten Wormser Bischöfe, Burchard, ließ an diesem Standort die älteren Kirchenbauten komplett abtragen, um seit dem Jahr 1005 einen neuen Dom errichten zu lassen, der im Jahr 1018 in Gegenwart Kaiser Heinrichs II geweiht wurde. Für die römisch-deutschen Kaiser aus dem Geschlecht der Salier wie auch für Bischof Burchard war durch die Wahl des Domstandortes der freie Blick auf dieses steinerne 1 Monument als Ausdruck von Reichtum und kirchlicher Macht neben der weltlichen Herrschaft des Kaisers ebenso wie dessen Fernwirkung in Richtung Osten und der derart lebenden ungläubigen unverzichtbar. Kurze Zeit später wurde an der Südseite der doppelchörigen Pfeilerbasilika im gebundenen System mit einem Querschiff eine frühromanische Kapelle zu Ehren des HI. Nikolaus von Myra angefügt und 1058 geweiht. Sie diente wohl als Aufbewahrungs-und Verehrungsort einer Reliquie des Heiligen HI. Nikolaus, die der Gemeinde von Kaiserin Theophanu aus Byzanz, anIässlich ihrer Hochzeit mit Kaiser Otto Ir. im Jahre 972, geschenkt wurde.
Der Dom in der heutigen Gestalt wurde im zwölften Jahrhundert unter Verwendung von Teilen des Burchard-Doms auch während der Regentschaft von Kaiser Friedrich I Barbarossa errichtet und im Jahre 1181 geweiht. Wegen seiner Doppelchor-Anlage und seiner Lage unmittelbar an der Stadtmauer hat der Dom keine West-, sondern eine zum Platz hin ausgerichtete Südfassade. Das um die Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert im hochgotischen Stil erneuerte Südportal ist der Haupteingang des Domes. Im Bogenfeld ist die Marienkrönung, daneben in den Gewänden Evangelisten und Propheten dargestellt. In den Bogenläufen finden sich alt- und neutestamentliche Darstellungen und diese Figuren setzen sich an den Außenwänden der benachbarten Nikolauskapelle fort, so etwa allegorische Figuren von Kirche und Glaube sowie von Synagoge und der „Frau WeIt“ als der personifizierten Versuchung. Die Enge der mittelalterlichen Stadt, deren Mauer den Domen im Westen umgrenzt, zwangen die kirchlichen Bauherrn dazu, ab dem Jahre 1484 in südwestlicher Nachbarschaft der Domfassade einen Kreuzgang und das Kapitelhaus zu errichten. Die dadurch bewirkte Einschränkung des freien Blickes auf die Südfassade des Doms und der Nikolaus kommt wurden nach Aufgabe der Nutzung ab dem Jahr 1818 wieder abgerissen. 2. Ereignisse der Weltgeschichte Im Dom zu Worms und in der näheren Umgebung dieses Kulturdenkmals fanden solche die Weltgeschichte prägende Ereignisse stand. Der nun zu Worms entstand auch in Konkurrenz zum Dom von Speyer als Ausdruck machtpolitischen pnungen der damaligen Fürstengeschlechter, die sich jeweils mit einem monumentalen Kirchenbau übertrumpfen wollten. Der »Gang nach Canossa« von Heinrich IV. war der Höhepunkt einer dramatischen Auseinandersetzung zwischen weltlicher und kirchlicher Herrschaft und diese zwang die Nachfolger Heinrichs, im Jahre 1122 in Worms das »Wormser Konkordat« zu unterzeichnen, dass die Macht des Kaisertums zukünftig dauerhaft gegenüber der Kirche schwächte. Diese Macht der katholischen Kirche wurde dann im Jahre 1521 durch den Auftritt des Mönches Martin Luther vor dem Wormser Reichstag erneut und diesmal dauerhaft geschwächt. Sein beharrliches Eintreten für Reform vor Kaiser Karl V führte zur Kirchenspaltung und nach blutigen Jahrzehnten des Krieges zur Verfestigung der evangelischen Kirche in Europa und der gesamten Welt. Daher kann das im Denkmalbuch der Stadt Worms eingetragene Kulturdenkmal des Domes Aufnahme in die Liste des Weltkulturerbes wegen seiner internationalen geschichtlicher Bedeutung beanspruchen. Die Bundesrepublik Deutschland ist 1976 dem „UNESCO-Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt“ beigetreten. Das Konzept gründet auf dem Prinzip, dass der Schutz von Kultur-und Naturdenkmälern mit „außergewöhnlichem universellen Wert“ nicht in der Hand einzelner Staaten liegen soll, sondern Aufgabe der gesamten Menschheit ist. In Deutschland koordiniert die Kultusministerkonferenz die Vorschläge der Länder für die UNESCO-Liste des Kultur-und Naturerbes der Welt. 3. Widmung des Domumfeldes zur öffentlichen Anlage Der große Platz vor der Südfassade des Domes war so frei, dass er von der in Worms stationierten Garnison für Übungen genutzt wurde. Nachdem dafür ein Ersatzgelände gefunden worden war, verwirklichte die Kirchengemeinde St Peter in 1839 hier eine Grünanlage. Der Stadtrat von Worms gab steuerte dazu das erbetene entbehrliche Gesträuch und niedere Bäumchen durch Beschluss vom 12. April 1839 bei, weil es »zur Verschönerung hiesiger Stadt beitragen, und sowohl dem hiesigen Publikum, als den, den Dom besuchenden fremden angenehm« wäre. Die Bedingung des Stadtrates für seine Pflanzenlieferung war rechtlich folgenschwer, denn sie bestand in der Verpflichtung der Kirchengemeinde, die neue Grünanlage» als eine 3 öffentliche Anlage jetzt und in der Zukunft offen und Jedermann zugänglich zu lassen«. Mit der Annahme dieses Pflanzengeschenks durch die Kirchengemeinde ist damit einer der ersten öffentlich -rechtlichen Verträge mit einer Widmung des Domumfeldes zur Nutzung durch die Stadtöffentlichkeit abgeschlossen worden. Dieser Widmungszweck für die erste öffentliche Grünanlage von Wonns schließt eine Bebauung des Umfeldes vor der Südfassade des Domes aus. Einer Lithographie des Wormser Malers Heinrich Hoffmann ist das Motiv des Stadtrates zu entnehmen: Während sich an der Nordostseite des Doms Gebäude an den Dom herandrängen, sicherte die Grünanlage den freien Blick auf die Südfassade eines der imposantesten Kulturdenkmale der Region. Diesen freien Blick auf die Südfassade wollte der Wormser Stadtrat durch den Widmungszweck gesichert wissen. 4. Der Kirchenvorstand von St. Peter seit 1854 für den freien Blick Nachdem der Kreuzgang in den Jahren 1689 und 1813 niedergebrannt war, verpachtete die Kirchengemeinde den leeren Platz im Inneren als Garten. Zur Erneuerung eines verfaulten Holzlattenzaunes und -so wörtlich -»gegen Einsteigen und Alles, was damit in Verbindung der verbrecherischen Absicht steht«, wurden dazu drei Vorschläge unterbreitet, unter anderem auch der Bau einer ca. 3 m hohen massiven Mauer. Diese Mauer wurde aber vom Kirchenvorstand selbst als unbrauchbar angesehen, da diese Mauer »die Ansicht nach der Westseite des Doms sehr beeinträchtigte«. Diese Absicht der Kirchengemeinde zum Schutz des freien Blickes auf die Fassade des Doms beschränkt sich aber nicht auf die Westseite, sondern begründet sich wegen des hohen architektonischen Wertes der Fassade der Nikolauskapelle auch für die Südfassade des Domes mit dem dortigen Haupteingang. 5. Wormser Bürgerinitiative in 1866 für den freien Blick Die gleichwohl erbaute Mauer in der Schlossgasse rief noch vor ihrer Vollendung eine frühe Initiative von Bürgern der Stadt Worms mit verbalen Protesten auf den Plan. In der Wormser Zeitung vom 20. Mai 1866 fordern mehrere Dutzend Bürger den freien Blick auf die Fassade des Doms: »Der Dom, das großartige Denkmal einer glänzenden Vorzeit, ... 1st in seinem künstlerisch reichsten Teile, dem westlichen LaurenziChor durch den neuen Anbau einer dicht anschließenden hohen Mauer in seiner monumentalen Wirkung wesentlich gestärt und beeinträchtigt. Hatte sich schon unlängst bei der Errichtung des den Dom verdeckenden Schul-und Stifts-Gebäudes eine unverkennbare Missstimmung gezeigt, so kann sich dieselbe in Folge des Übel angebrachten »Zubau«, der die Reste des ehemaligen Kreuzgangs etc. dem Auge gänzlich entzieht, nur verstärken, und wir .. beklagen, dass das herrliche Denkmal einer großen Vergangenheit so kleinlich und rücksichtslos gefährdet wird.« In einem Brief von 67 Honoratioren an die 4 Landesregierung vom 8. Juni 1866 rügten die Bürger, die drei Meter hohe Backsteinmauern beeinträchtige »in hohem Maße die architektonische Gesamhoirkung des herrlichen Domes«‚. Die Mauer wurde als »schwere Verunglimpfung des von jedem Einwohner unserer Stadt, welcher Konfession er auch angehöre, ehrfurchtsvoll geachteten Gotteshauses, dem erhabensten Denkmale vergangener Größe« empfunden. Ähnliche ästhetische Bewertungen und Aktionen signalisieren, dass der Blick auf die Domfassad von der Wormser Bürgerschaft schon seit 150 Jahren gegen ästhetische Beeinträchtigungen verteidigt wird. 6. Die Verwaltungsspitze der Stadt gegen eine Verunstaltung (1866) Die von der Regierung in Darrnstadt zu dem Bürgerprotest angehörte Stadtverwaltung von Worms erklärte in ihrer Stellungnahme vom 21. Juli 1866, dass sich auch die »Baubehörde auf das Entschiedenste gegen die hierdurch entstehende Verunstaltung des Doms aussprach«, rechtfertigte aber die Genehmigung damit, dass die Baufläche »Eigenthum der Domkirche sei«. Diese Rechtfertigung überzeugt nicht, denn schon damals verpflichtete das Eigentum auch und sein Gebrauch sollte zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen, wie es heute Artikel 14 Absatz 2 des Grundgesetzes formuliert. 7. Wormser Stadtrat für das Freilegen und gegen jeden Zubau (1904) Nach Abschluss der großen Domrestaurierung berichtete die Wormser Zeitung im Jahr 1904 von dem Bauprojekt des Kirchenvorstandes, am Ort des Kapitelhauses ein Pfarrhaus vor der Südfassade des Doms neu entstehen zu lassen. Trotz Dementis verlangt der Stadtrat Aufklärung und lehnte prophylaktisch jedes Zubauen des freien Blicks auf die Südfassade strikt ab. Bei ihm hatte sich die Überzeugung festgesetzt, dass »der Dom als nationales Denkmal einen idealen und historischen Besitz der Stadt Worms und des deutschen Volkes darstellt« ; der Dom sollte »freigelegt und nicht zugebaut« werden“. Diese Analyse entspricht dem Geist des heutigen Denkmalschutzrechts und der Charta zum Schutz des Weltkulturerbes. 8. Denkmalpfleger, Kunsthistoriker und Architekten gegen Anbau. Der Herausgeber der Zeitschrift »Die Rheinlande« befragte die Fachwelt, ob man überhaupt einen Anbau an ein Baudenkmal vornehmen dürfe. In den Stellungnahmen des Denkmalpfleger Paul Clemen aus Bonn, der vier Professoren für Kunstgeschichte Adolf von Oechelhäuser aus Karlsruhe, Henry Thode aus Heidelberg, Georg Dehio aus Straßburg und Cornelius Gurlitt aus Dresden sowie des Bildhauers Adolf von Hildebrand wollte niemand den konkreten Anbau an den Dom gutheißen und ganz grundsätzlich auch niemand Anbauten an historischen 5 Baudenkmälern sehen. Diese bauästhetisch begründeten wurden gelten nicht nur für Anbauten, sondern auch für Neubauten in unmittelbarer Nachbarschaft der Fassade eines Kulturdenkmals von überragender Bedeutung. 9. Wormser Ehrenbürger von Heyl fordert Bürgerentscheid Unterstützung kam auch vom Kommerzienrat Wilhelm Freiherr von Hey], der sich auf die Seite der sich so bezeichnenden »Freileger« der Südfassade des Doms geschlagen hatte und mit ihnen die Idee verfolgte, dass Besucher ungehindert um den ganzen Dom herumspazieren können sollten. Heyl stellte die Forderung auf, der Dom müsste vollständig und dauerhaft von einer baulichen Sichtbehinderung in seiner Umgebung freigelegt werden. Zugleich legte dieser Reichstagsabgeordnete ein Bekenntnis für einen Bürgerentscheid mit der Forderung ab, dass über ein Bauwerk vor der Südfassade »nicht nur die Architekten, sondern auch der Volkswille zu entscheiden«iv habe. Eine solche Entscheidung des Souveräns erfordert eine fundierte fachliche Information über die Schutzwürdigkeit des Kulturdenkmals und seiner Umgebung einerseits und möglichen Standortalternativen für eine gewünschte neue Bebauung andererseits. 10. Beschluss des Landtags 1907 für Freihaltung der Domsüdseite von Bauten Auch der damals örtlich zuständige Landtag von Hessen -Darmstadt bekannte sich in einem Beschluss seiner Ersten Kammer im Jahr 1907 zugunsten einer Freihaltung des Doms zu Worms von Anbauten. Diese landespolitische Entscheidung ist bis heute nicht revidiert, widerspricht nicht den geänderten Rechtsinhalten und ist daher bindend. Taufpiscina und Baptisterium in Worms Perspektiven zur Erforschung der frühen Christianisierung im Rheintal von Brigitte Hammel und Matthias Möller 1. Siedlungsgeschichte des Domhügels Die archäologische Befundsituation am höchsten Hügel der Altstadt von Worms, die vom Dom St. Peter dominiert wird, ist wegen der hohen historischen und kunsthistorischen Bedeutung der zu vermutenden verborgenen Kulturdenkmäler als große Besonderheit nördlich der Alpen anzusprechen. Die Bedingungen und Örtlichkeiten der frühen Christianisierung im Rheintal in Zeiten der Spätantike und des frühen Mittelalters stützen sich bislang nur auf wenige Quellen, wobei viele Fragen offen sind. Die Auswertung von Quellen, wie etwa archäologische Funde, eröffnet die Chance, Geschichtsquellen von überregionaler Bedeutung konkreten Spuren vor Ort zu zuordnen. Vor diesem Hintergrund eröffnet der archäologische Befund einer Taufpiscina eine besondere Bedeutung zum Verständnis der Bedingungen der frühen Christianisierung im oberen Rheintal. Der Fund der Taufpiscina verdeutlicht, dass der Domhügel in Worms eine archäologische Fundgrube von Weltrang ist. Dort wo heute der Wormser Dom auf dem höchsten Hügel der Stadt steht, der vor Hochwassern sicher war, ließen sich seit dem dritten vorchristlichen Jahrtausend Menschen nieder. Den Kelten folgte der germanische Stamm der Vangionen, die bald von den Römern unterworfen wurden und die auf dem Hügel ein Verwaltungszentrum und einen Tempelbezirk errichteten. Den Römern folgten die Burgunden, diesen die Hunnen, die dann von den Franken verdrängt wurden. Die Parallelen zu den Taufpiscinas in Ingelheim und Köln deuten darauf hin, dass die Taufpiscina in Worms jedenfalls ein Indiz für eine hohe Bedeutung eines frühen christlichen Zentrums darstellt mit der auch ein weltliches Zentrum am gleichen Ort korrespondiert haben könnte. Die Lage der Taufpiscina am westlichen Ende eines Wege über den Rhein mit freiem Blick nach Osten stellt Fragen danach, ob mit den hier praktizierten Taufen auch Menschen jenseits des Flusses und damit aus einem nicht von den Franken beherrschten Machtgebiet einbezogen wurden und welche Wirkungen das hatte. Damit stellt sich geopolitisch zugleich die Frage nach der schrittweisen Ausweitung der Christianisierung, aber auch der weltlichen Macht in Richtung Osten. Die Missionierung dieser Gebiete ist derzeit erst für sehr viele später die Zeit seit Bonifatius datiert. Diese Völker haben in Worms kulturhistorische „Schätze“ hinterlassen, die auf ihre Bergung warten. Um bei Neubauprojekten in einem geordneten Verfahren und ohne Zeitdruck diese Denkmale zu sichern, ist die untere Denkmalschutzbehörde fachlich gefordert, den gesamten Hügel um den Dom als Gabungsschutzzone auszuweisen. 2.Auffinden der Taufpiscina in Worms Anfang Juni 2015 wurden in einem Abstand von einigen Metern zur Südfassade des Doms zu Worms und seiner Nikolaus-Kapelle bei archäologischen Untersuchungen die Mauerreste einer Taufpiscina entdeckt. Der Grabungsleiter Marcus Forman vermutet in Nachbarschaft dieser im Durchmesser ca. 1,50 m großen Piscina, die auf Grund ihrer Größe der Taufe von Erwachsenen gedient haben muss, auch Überreste eines Baptisteriums (Wormser Zeitung vom 04.07.2015). Die entdeckte Taufpiscina ist im Untergeschoß des Gemeindehauses untergebracht, direkt neben einer Wein Bar. Der profaner Gaststättenbetrieb neben dem Denkmal ist in seiner kirchengeschichtlichen Bedeutung unwürdig. 3.Taufliturgie und Nachbarschaft zu einem Kirchenbau Die in solchen Becken praktizierte christliche Taufliturgie wurde ausweislich der spätantiken und frühmittelalterlichen Schriftquellen als ein Übergießen des im Becken aufrecht stehenden, unbekleideten Erwachsenen mit Wasser aus einer Schale oder einem Krug (infusio) praktiziert. Da weder Unbekleideten noch Ungläubigen Zugang zu christlichen Kirchen gewährt wurde, stellt sich die Frage, ob die Taufpiscina außerhalb der Mauern eines und wenn ja, welches Vorgängerbaues des heutigen Domes gewählt wurde. Der Fundort der Taufpiscina in Worms deutet darauf hin, dass dieser nur wenige Meter entfernt zum Eingang eines Vorgängerbaus des Domes von Bischof Burchard gelegen war. Durch die Archäologie ist zu klären, ob es sich bei dem mit der Taufpiscina korrespondierenden Kirchenbau um einen karolingischen Vorgängerbau oder um die nach dem Jahr 600 n.Ch. unter der austrasischen Königswitwe Brunichildis errichteten Merowinger Basilika handelte. Die besondere Bedeutung des Fundes der Taufpiscina begründet sich nicht zuletzt daraus, dass weder für den karolingischen noch für den merowingischen Vorgängerbau des Domes von Burchard bislang archäologischen Beweise existieren. Diese Taufpiscina ist wohl der erste Bezugspunkt, um diese Vorgängerbauten mit ihren Grundmauern aufzufinden und damit deren Existenz und Ausdehnung dieser Kirchen nachzuweisen. Indizien weisen Gemeinsamkeiten mit den als Taufpiscina interpretierten Rundbecken der frühchristlichen Kirchengrube unter dem Trierer Dom der Taufpiscina zwischen den Fundamenten von Vorgängerbauten der Remigius Kirche in Ingelheim, ähnlichen frühchristlichen Taufbecken unter der St. Severus Kirche zu Boppard und des Kölner Doms auf. Allein schon diese Reihung von Kirchenzentren macht den kirchengeschichtlich bedeutsamen Aspekt des Fundes in Worms deutlich und wirft die Frage auf, ob und warum in geringer Entfernung zum christlichen Zentrum in Mainz eine befestigte Taufmöglichkeit für Erwachsene in Nachbarschaft zu diesem Zentrum auch in Worms institutionalisiert worden war. 4.Freilichtmuseum vor der Südseite des Domes Zur Einordnung der Wormser Taufpiscina sind zur Beantwortung der oben gestellten Fragen weitere Grabungen geboten. Nur diese können klären, ob hier Außenmauern eines Baptisteriums oder Pfostengruben eines hölzernen Ziboriums mit textilen Einpnungen die einen Sichtschutz für die nur an unbekleideten Menschen vollzogenen Erwachsenentaufe gaben. Der Bau des neuen Gemeindehauses rund um die Fundstelle macht solche Grabungen in diesem Bereich unmöglich. Zur Präsentation der jetzt entdeckten Taufpiscina und der Reste eines Baptisteriums, aber auch der in der Nachbarschaft zu vermutenden Grundmauern eines korrespondierenden Kirchengebäudes und auch Rest des römischen Tempelbezirks bietet sich die Entwicklung eines archäologischen Freilichtmuseums an. 5.Bedeutung der Taufpiscina Das Grabungsschutzgebiet bedeutet nicht, dass in der Nachbarschaft des Domes zu Worms nicht mehr gebaut werden kann, aber es kann dazu beitragen, dass sich die Wormser der einzigartigen Baugeschichte ihrer Stadt wieder stärker bewusst werden. Wormser Bürger markieren den Bauplatz mit Kerzen |
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5 vor 12
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Altertumsverein ist über die Pläne entsetzt
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Der Kiosk am Dom
DIE BURCHARDSTATUE WIRD VERSETZT
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BI fertigt ein Modell des Siegerentwurfes
das Modell der Bürgeriniative verdeutlicht die Groteske |
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2014-04-26 Bügerverein präsentiert Modell
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Es gibt Alternativen,- wenn man will
Planung der Kirchengemeinden und Alternative von Dipl.-Ing (TU) Rheinhard H. Lied



das Faltblatt der Bürgerinitiative

das Kelterhaus des Bischofs - ein Haus - mitten auf der Strasse
2014-07-16 Neue Idee für Haus am Dom von Pfarrer Hufnagel |
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Nibelungenfestspiele und Domvorplatz
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Die Nikolauskapelle
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die Baugruben-Erweiterung im Kreuzgang


Werden die Ausgrabungen am Dom ernsthaft betrieben?
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Seit fast 2 Monaten graben nun die Archäologen am Wormser Dom und von vornherein hat man „Offenheit und Transparenz“ zugesichert..... hier geht nun mein Protest einmal nicht Richtung Domgemeinde, sondern Richtung GDKE: Warum
wurde bisher nur einmal die Presse über die Funde etc. informiert?
Warum werden Informationen unter anderem von Heimatforschern ignoriert?
Warum läuft man pietätlos durch gefundene Gräber / bzw. über
Knochenfunde? Warum werd en diese wahllos einfach nur in Plastiksäcke
„geschmissen“? Warum wird die Öffentlichkeit nicht darüber informiert,
daß man offentsichtlich in einen alten mittelalterlichen Friedhof
eingegraben hat, obwohl doch bekannt ist, daß sich an
dieser Stelle ein Friedhof befand? Jeder der am Dom vorbeikommt, ob bei
Tage oder am Wochenende, wundert sich nur noch, ob der
Geheimniskrämerei ..... der GDKE. Geht man so mit UNSEREM historischen
Erbe um? Geht man so mit menschlichen Überresten um? Wenn ich der Kirche
folge, dann müsste man die Ausgräber am Dom wegjagen, weil man sich
hier auf einem geweihten Boden absolut daneben benimmt und zu dem die
Totenruhe mit Füßen tritt. Ich habe derweil zwei Bitten: Da Sie nun, Herr Schäfer, wieder aus dem
Urlaub zurück sind, möchte ich Sie bitten, entsprechend den Vorgaben
dafür zu sorgen, daß auch und besonders die Ausgräber am Dom respektvoll
mit den menschlichen Überesten und mit UNSERER Geschichte umgehen und
zudem nicht mehr die gefundenen Gebeine in Säcke stecken, als wollte man
diese gleich entsorgen. Meine nächste Bitte geht an ALLE: Schaut den
Ausgräbern auf die Finger, bevor diese weiterhin so achtlos mit UNSERER
Geschichte umgehen,
wie dies nun schon mehrfach geschehen ist !! DANKE !! Vor einigen Tagen
habe ich meine Zweifel darüber geäußert, daß man auf der Grabungsfläche
am Wormser Dom mit der entsprechenden Pietät vorgeht ..... nachdem ich
nun alle Bilder aber auch Filmaufnahmen noch einmal gesichtet habe, die
ich an der Grabungsstelle gemacht habe, muß ich mir tatsächlich die
Frage stellen: Werden die Ausgrabungen mit notwendigen Nachhaltigkeit
und Ernsthaftigkeit durchgeführt ? Ich
für meinen Teil habe hier ganz entschiedene Zweifel - mittlerweile. Hat
man vor knapp vier Wochen noch von etwaigen Estrichfunden im oberen
Bereich des Grabungsareals gesprochen, trampelt man heute ohne Rücksicht
über die Funde.
Etwaige
Funde bleiben tagelang OFFEN liegen und der leitende Grabungstechniker
vor Ort lässt bei mir nicht den Eindruck entstehen, daß sich dies bald
oder überhaupt ändern wird.... leider.
Wenn
ich dies alles mit anderen Grabungsstellen in Worms vergleiche, muß ich
feststellen, daß neue Besen nicht immer gut kehren .... Wenn ich mir
die Fortschritte anschaue, die die Grabung in den letzten 8 Wochen
gemacht hat, muß ich mir auch die Frage stellen:
Wird
hier überhaupt so tief gegraben, wie einst angekündigt ? Geplant waren
einst 2-2,5 Meter oder gar drei Meter, weil man die Befürchtung hatte,
daß mit einer Fundamentgründung für das geplante Haus am Dom hier
niemals wieder gegraben werden kann .... an der tiefsten Stelle ist man
gerade einmal (im oberen Teil) 1,5 Meter nach unten gelangt, im unteren
Teil etwa 50 Zentimeter ..... „was wir jetzt nicht finden, brauchen wir
nicht“ Zudem wurde ein privat angebotenes Sieb, zur Durchsiebung der
angefallenen Erde ABGELEHNT ..... „was wir jetzt nicht finden, brauchen
wir nicht“, war der damalige Tenor. Ich hoffe, daß man das Areal
ANSTÄNDIG ausgraben wird, um auch so die erhofften Funde und
Erkenntnisse machen zu können und hier lasse ich auch den Spruch von Sascha Smolczynski 7. März um 22:06
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Der Wormser Dom im Schatten der Bauwut

über die Farbgestaltung der Ziegel und Konformismus
